5 Fragen an Lukas Wiese vom Büro Berlin

„Das Freundschaftsspiel zwischen dem DOSB-Inklusionsteam und dem FC Bundestag sollten wir unbedingt wiederholen!“

Lukas Wiese vom Büro Berlin des DOSB unterstützt das Inklusionsteam beim „Special Olympics Festival“.
Lukas Wiese vom Büro Berlin des DOSB unterstützt das Inklusionsteam beim „Special Olympics Festival“.

5 Fragen an Lukas Wiese vom Büro Berlin
Vom 18. bis 24. Juni 2022 findet am Neptunbrunnen in Berlin das „Special Olympics Festival“ statt. Das Inklusionsteam des DOSB  ist gemeinsam mit dem Landessportbund Berlin, dem Behinderten Sportverband Berlin, der Sportjugend Berlin sowie dem  Deutschen Behindertensportverband, mittendrin. Unterstützt wird das Team auch vom Büro Berlin. 

Katja Lüke sprach am Stand des DOSB mit Lukas Wiese, Referent für politische Interessenvertretung im Hauptstadtbüro des  DOSB, über Inklusion und die Aufgaben des DOSB-Teams in Berlin.

Katja Lüke: Der Deutsche Olympische Sportbund hat seine Geschäftsstelle in Frankfurt am Main und dort in der Otto-Fleck-Schneise, von wo aus viele Verbände ihre Organisation steuern. Rund 200 Angestellte sind beim DOSB hauptberuflich tätig. Wozu braucht es da ein Berliner Büro und seit wann gibt es dies? 

Lukas Wiese: Die politische Interessenvertretung ist eine der übergreifenden Aufgaben des DOSB. Dazu ist es unabdingbar, am zentralen Ort politischer Entscheidungen präsent zu sein und wahrgenommen zu werden. Seit 2007 Jahren befindet sich daher das sogenannte „Hauptstadtbüro des Deutschen Sports“ als Bürogemeinschaft diverser Sport-Organisationen in unmittelbarer Nähe zum Regierungsviertel und vertritt die Interessen des Deutschen Sports gegenüber der Bundespolitik. Dabei gilt es vor allem, aktuelle Ereignisse aus dem politischen Raum politisch zu analysieren, zu bewerten und geeignete Maßnahmen zu erarbeiten. 

Als Berlin-Büro sind wir insbesondere eine Art Übersetzer und Brückenbauer: Politik – Sport, Sport – Politik. Auf der einen Seite haben wir als die politischen Augen und Ohren des organisierten Sports in Berlin stets den Überblick über regulatorische Initiativen, die den Sport in seiner gesamten Vielfalt direkt oder indirekt betreffen. So können wir unsere Kolleg*innen in Frankfurt am Main und unsere Mitgliedsorganisation „aus erster Hand“ informieren und beraten. Auf der anderen Seite sind wir auch der Lautsprecher des organisierten Sports in Berlin. Wir bereiten die Belange des Sports zielgruppenspezifisch auf, kommunizieren diese gegenüber Politik und Verwaltung und bringen uns so aktiv in Gesetzgebungsprozesse, politische Initiativen und Förderlinien ein. 

Katja Lüke: Der DOSB ist beim Special Olympic Festival 2022 und voraussichtlich auch bei den Special Olympics World Games 2023 vertreten. Welche Rolle spielt das Thema Inklusion im Sport und welche Rollen haben die Spiele der Menschen mit geistiger Behinderung fürDich? 

Lukas Wiese: Die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ist seit vielen Jahren gelebte Wirklichkeit im organisierten Sport. Dies ist in einer Vielzahl von – teilweise auch öffentlich unterstützten – Sportangeboten, Aktionen, Konzepten, Maßnahmen und Programmen in den Sportvereinen und Sportverbänden verankert. Sport ist meiner Meinung nach besonders gut geeignet, um das gegenseitige Kennenlernen und Zusammenwirken von Menschen mit und ohne Behinderungen zu fördern. 
Sportgroßveranstaltungen wie die Special Olympics haben die Strahlkraft, die gelebte Inklusion im Sport in die Gesellschaft zu tragen und über die Begeisterung der Athlet*innen, Zuschauer*innen und Anwohner*innen zu mehr Inklusion durch Sport zu führen. 

Die Nationalen Spiele in diesem Jahr sowie die World Games der Special Olympics im nächsten Jahr stehen also für weit mehr als nur ein Sportereignis oder den sportlichen Wettbewerb. Die Menschen werden ein Fest der Begegnung feiern können. So gehen zum Beispiel zahlreiche Unified Teams, bestehend aus Menschen mit und ohne Behinderung, gemeinsam an den Start. Darüber hinaus sind die Sport-, Spiel und Feststätten über die ganze Stadt verteilt, so dass auch die Anwohner*innen an vielen Ecken automatisch mit den Sportler*innen in Berührung kommen.

Katja Lüke: Lukas, Du bist seit gut 100 Tagen im Berliner Büro tätig. Was hat Dich bewogen, dich dort zu bewerben und wie sind Deine ersten Erfahrungen. Konkret: Wie ist der Kontakt zu den politischen Vertreter*innen. Wie gestaltet ihr diesen aktiv? 

Lukas Wiese: Ich war schon immer an der Schnittstelle von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft interessiert und habe auch schon mehrere Jahre in dieser Funktion gearbeitet. Was mich zum „Hauptstadtbüro des Deutschen Sports“ gebracht hat, ist schlichtweg die intrinsische Motivation für das Thema „Sport“. Ich empfinde es als sehr erfüllend, mich in der Politik für all‘ diejenigen zu engagieren, die die Liebe zum Sport teilen. 

Der Kontakt zu den politischen Vertreter*innen ist dabei mannigfaltig. Da der Sport als Querschnittsthema in diversen Politikfeldern – von Umwelt über Gesundheit bis zu Inklusion – stattfindet, decken wir eine große Bandbreite an Themen ab und halten den Kontakt zu den politischen Entscheidungsträger*innen aus diversen Ausschüssen und Ressorts. Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause sind nun auch wieder physische Treffen möglich – das persönliche Gespräch ist noch immer das beste „Tool“. 

Eine schöne Anekdote zum Kontakt mit politischen Entscheidungsträger*innen gibt es sogar im Kontext von Inklusion: vor einiger Zeit hat der DOSB ein hochkarätig besetztes Freundschaftsspiel zwischen dem DOSB-Inklusionsteam mit behinderten und nicht behinderten Sportler*innen sowie Funktionär*innen und der fraktionsübergreifenden Mannschaft des Deutschen Bundestages, dem FC Bundestag, organisiert. Natürlich wurden die Gespräche am Spielfeldrand und nach dem Spiel auch diskutiert, wie die Inklusion in jeder Turnhalle und auf jedem Sportplatz gelebt werden kann. Ich finde, es wird Zeit für ein Rückspiel!

Katja Lüke: Und wie ist der Kontakt zu Sportler*innen und speziell zu Sportler*innen mit Behinderungen? 

Lukas Wiese: Die Interessen des organisierten Sports, die wir in Berlin nach außen vertreten, sind nicht einfach so gegeben. Vielmehr setzen sich diese aus den verschiedenen Meinungen, Interessen und Anliegen der breiten Mitgliedschaft in einem Beteiligungsprozess zusammen. Unsere Aufgabe ist es, diese im Gespräch mit unseren 100 Mitgliedsorganisationen mit knapp 90.000 Turn- und Sportvereinen und insgesamt über 27 Millionen Mitgliedschaften auszutarieren.

Ein wichtiger Stakeholder ist hierbei Special Olympics Deutschland (SOD), welcher seit 2018 als Spitzenverband auf Augenhöhe zur deutschen Sport-Familie dazugehört. Auch der Deutsche Behindertensportverband ist Teil des DOSB und sogar im “Hauptstadtbüro des Deutschen Sports” vertreten. Wenn wir also gemeinsam mit unseren Mitgliedern eine Position erarbeiten, können wir stets auf diese Expertise und Erfahrungen zurückgreifen. Der direkte Draht zu den Sportler*innen in der Meinungsbildung ist über die jeweiligen Athletensprecher*innen der Mitgliedsorganisation sowie die Athletenkommission im DOSB gegeben.   

Katja Lüke: Inklusion ist ein Querschnittthema und Inklusion im Sport ist von vielen Dingen wie der Finanzierung von Assistenz in der Freizeit, Barrierefreiheit des ÖPNV und der Sportstätten abhängig. Seid ihr mit den verschiedenen zuständigen Ministerien in Kontakt und wird der Sport, wird das Berliner Büro dort als Ansprechpartner auch für das wichtige Thema Inklusion wahrgenommen?

Lukas Wiese: Der organisierte Sport hat sich von einem System des „Wettkampfsports für Jüngere“ zu einer Bewegung des „Sports für Alle“ gewandelt. Unter diesem Leitgedanken werden Programme entwickelt und in den Sportvereinen umgesetzt, die Sport und Bewegung möglichst jedem Menschen zugänglich machen – unabhängig von Alter, Behinderungen, Nationalität oder kultureller Herkunft, sexueller oder geschlechtlicher Identität, Religion, Weltanschauung und sozialer Herkunft. Damit der organisierte Sport seine Potenziale zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts noch umfassender und zielgerichteter entfalten kann, ist eine Intensivierung und Verstetigung der bisherigen Unterstützungsmaßnahmen durch die Politik nötig.
So gilt es, räumliche, konzeptionelle und kommunikative Barrieren zum Sporttreiben und zur Teilhabe am Vereins- und Verbandsleben abzubauen. Insbesondere in ländlichen Regionen bedarf es gezielter Unterstützung der Sportvereine zur Schaffung oder Verbesserung von Infrastruktur und Angeboten mit guter Erreichbarkeit für alle Menschen. Die Finanzierung von Maßnahmen zur Teilhabe – z.B. über Gebärdensprachdolmetscher*innen oder Assistenzleistungen – muss gesichert werden. 
Um die Stimme des Sports von Anfang an mitzudenken, gilt es, den organisierten Sport an der Entwicklung von Nationalen Aktionsplänen und Bundesprogrammen der jeweiligen Ministerien – zum Beispiel dem Bundesprogramm Barrierefreiheit – stärker zu beteiligen. 

(Quelle: Katja Lüke, DOSB)


  • Lukas Wiese vom Büro Berlin des DOSB unterstützt das Inklusionsteam beim „Special Olympics Festival“.
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