Ergebnisse zum Stand der Umsetzung der Inklusion im und durch Sport

Der DOSB hat im Januar 2018 seine Mitgliedsorganisationen zum Stand der Umsetzung der Inklusion im und durch Sport befragt. Durchgeführt und wissenschaftlich betreut wurde die Befragung vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) Frankfurt. Mit einer sehr hohen Rücklaufquote von insgesamt 78 Prozent (Spitzenverbände 80%, LSBs 100%, VmbAs 55%) konnte das Interesse der Mitgliedsorganisationen an diesem Themenbereich verdeutlicht werden.

Quelle: LSB NRW Andrea Bowinkelmann
Quelle: LSB NRW Andrea Bowinkelmann

Als Einschätzung zum Themenbereich Inklusion wurde die Priorität der Förderung der Teilhabe von Menschen mit Behinderung im eigenen Verband von 60% der Verbände als „(überdurchschnittlich) hoch“ eingeschätzt. Allerdings schätzen nur 44% der Verbände den Stand der Umsetzung der Inklusion in ihrem Verband als „(überdurchschnittlich) hoch“ ein.

Insgesamt halten 72% der Verbände es für realistisch, dass der Sport eine Vorreiterrolle hier einnehmen kann und sich als Impulsgeber für gesellschaftliche Veränderung anbietet.

Besonders positiv kann vermerkt werden, dass 66% angeben, dass in ihrem Verband eine Bereitschaft besteht, das Themenfeld Inklusion gezielt voranzutreiben, 29% haben dafür auch finanzielle Ressourcen, 24% einen beschlossenen Aktionsplan und 32% personelle Ressourcen eingestellt.

In knapp der Hälfte der Verbände ist mindestens eine Person mit Behinderung hauptberuflich tätig, in 62% der Verbände ist mindestens eine Person mit Behinderung ehrenamtlich engagiert.

In 54% der Verbände wurden in den letzten zwei Jahren inklusive Veranstaltungsformate durchgeführt. Dabei wurden in 39% der Verbände Menschen mit Behinderungen als Expert/innen in eigener Sache eingesetzt.

Knapp die Hälfte der Verbände gibt an, weitgehend barrierefreie Geschäftsstellen zu haben. Nur 20% der Verbände machen ihre Veranstaltungen und Materialien für alle Menschen zugänglich. Assistenzleistungen bieten nur 11% der Verbände an.

Das Thema Qualifizierung wird in der Hälfte der Verbände in Aus-, Fort- und/oder Weiterbildungen thematisiert. 42%  der Verbände hat in den letzten 2 Jahren Maßnahmen zur Inklusion angeboten, in 35% der Verbände waren dies spezielle Fort- und Weiterbildungen. In 24% der Verbände liegen Lehr- und Lernmaterialien zum Thema vor.

59% der Verbände kooperieren mit (Behinderten)Sportverbänden, um Inklusion im Sport voranzubringen, eine Netzwerkarbeit mit externen Partnern betreiben 41% der Verbände, davon 25% mit dem Bereich der Behindertenhilfe.

 

Die AG Inklusion des DOSB hat die Ergebnisse sehr ausführlich besprochen und leitet folgende Schlüsse daraus ab:

·         Es kann positiv vermerkt werden, dass ungefähr die Hälfte aller DOSB-Mitgliedsorganisationen Inklusion als Thema bereits bearbeitet. Allerdings sind trotz hoher Bereitschaft oftmals keine Strategie und keine Ressourcen dafür bereitgestellt.

·         Es lassen sich drei Gruppen an Organisationen identifizieren, die sich in Bezug auf die Inklusionsumsetzung statistisch signifikant voneinander unterscheiden. Die drei Gruppen sind übergreifend zu den Verbändegruppen des DOSB zu sehen, die Größe der Verbände ist bei der Einteilung in die drei Gruppen nicht ausschlaggebend.

o    Die 1. Gruppe bestehend aus 25 Verbänden kann mit „Fortgeschrittene Inklusions­umsetzung“ beschrieben werden (bei 20 von 29 Indikatoren mehrheitlich positive Antworten). In dieser Gruppe sind 75% der LSBs, 21% der Spitzenverbände, 18% der VmbAs.

o    Die 2. Gruppe bestehend aus 30 Verbänden kann mit „Auf gutem Weg“ beschrieben werden (bei 6 von 29 Indikatoren mehrheitlich positive Antworten). In dieser Gruppe sind 19% der LSBs, 42% der Spitzenverbände, 45% der VmbAs.

o    Die 3. Gruppe bestehend aus 24 Verbänden kann mit „Punktuelle Inklusionsumsetzung“ beschrieben werden (bei 25 von 29 Indikatoren mehrheitlich negative Antworten). In dieser Gruppe sind 6% der LSBs, 37% der Spitzenverbände, 36% der VmbAs.

·         Die Bewertung der Zusammenarbeit stellt dem DOSB und den weiteren abgefragten Verbänden DGS, DBS und SOD ein gutes Zeugnis aus.

·         Interessant wird der Vergleich mit der erneuten Befragung im Jahr 2020 sein, um Fortschritte in der Umsetzung der Inklusion darlegen zu können.

 

Die AG Inklusion bewertet die jetzigen Ergebnisse dahingehend, dass

·         insbesondere die Beteiligung von Menschen mit Behinderung als Expert/innen in eigener Sache, z.B. auch in haupt- und ehrenamtlichen Funktionen, weiter ausgebaut werden muss. Die Expertise der Menschen mit Behinderungen wird noch zu wenig genutzt.

·         im Bereich der Barrierefreiheit großer Nachholbedarf besteht. Der barrierefreie Zugang, räumlich wie auch im Bereich der Kommunikation, ist existenziell für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung. Hier stellen sich aktuell große Defizite dar, insbesondere bei der Bereitstellung von Assistenzleistungen.

·         der Sensibilisierung der DOSB-Mitgliedsorganisationen eine große Bedeutung zukommt. Eine Bewusstseinsbildung für die Chancen der Inklusion kann nur im Kontakt auf Augenhöhe zwischen Menschen mit und ohne Behinderung aufgebaut werden.

·         man ins Gespräch mit den drei verschiedenen Gruppen kommen sollte, um deren Unterstützungsbedarfe konkret zu ermitteln. Dabei könnten auch die DOSB-nahen Institutionen (FA, DOA, Olympiamuseum) mit einbezogen werden.

Konkret wird deutlich, dass der Sport auf der strukturellen wie auch der praktischen Ebene dem Thema gegenüber positiv eingestellt ist. Die allgemeine Bereitschaft zur Umsetzung der Inklusion im Sport ist vorhanden. Allerdings ist die Zugänglichkeit der Sportangebote oftmals noch nicht sichergestellt und das Bewusstsein für Notwendigkeiten ist aus Unwissenheit oftmals nicht vorhanden. Problematisch ist auch, wie kostenintensive Maßnahmen zur Barrierefreiheit umgesetzt werden können.

Die Befragung der Mitgliedsorganisationen soll alle zwei Jahre erfolgen und in das Monitoring des DOSB zur Umsetzung der Inklusion mit einfließen.

Quelle: DOSB


  • Quelle: LSB NRW Andrea Bowinkelmann
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